post

Gummiköder- Wie gieße ich meinen eigenen Gummifisch?


 

Hallo Flossenfreunde!

Mein Name ist Julian, ich bin 22 Jahre jung und komme aus Berlin. Seit mittlerweile fünf Monaten verstärke ich das Team Hecht&Barsch unter anderem als Kameramann, im kreativen Bereich und kümmere mich außerdem um den Online-Shop.

Außerdem lest ihr just in diesem Moment meinen ersten Blog-Beitrag, in dem ich euch das Thema des Ködergießens etwas näherbringen möchte.

Also dann… Viel Spaß!

Gummiköder- do it yourself!

 

Nahezu jeder Spinnfischer der aktiv mit Gummiködern den geschuppten Räubern unserer Gewässer nachstellt, kommt vermutlich einmal an den Punkt, an dem er sich ausmalt, wie vorteilhaft es wäre, eigene Gummiköder nach eigenen Vorstellungen und Ideen zu gestalten und herzustellen. Aber wie stellt man eben Dieses an?

Ich selbst habe genau diese Gedanken entwickelt und nachdem ich mich etwas in die Materie eingelesen und Bekannte konsultiert habe, war ich brennend heiß darauf endlich richtig loszulegen.

In diesem Artikel möchte ich euch nun meine bisherigen Erfahrungen, Tipps und Tricks verraten, um euch eventuell ein wenig Zeit und Rumgesuche zu ersparen. Bitte bedenkt jedoch, dass auch ich noch Anfänger auf diesem Gebiet bin. Ich möchte euch lediglich motivieren, selbst kreativ zu werden und erste Anstöße in die richtige Richtung geben. 

Materialien und Werkzeuge

 

Bevor ihr anfangen könnt Formen und letztendlich Köder zu produzieren, braucht ihr erst mal einiges an Material. Manches habt ihr sicherlich Zuhause, anderes bekommt ihr beispielsweise im Bauhaus, Kunstbedarfshandel oder im Internet bestellt.

Für die Art und Weise wie ich in diesem Artikel meine Form und Köder produziere, braucht ihr etwas an Material. Die Dinge, die ihr wahrscheinlich nicht zu Hause habt, habe ich für euch verlinkt, damit ihr gleich wisst, wo man so etwas bekommt, falls es euch interessiert:

2 K Silikon (ca.29€)

2 K Expoxidharz (nicht zwingend nötig, aber ratsam (ca. 13€)

-Pinsel und kleines Gefäß zum anmischen des Harzes

Plastisol oder alte Gummiköder (ca. 18€)

Super Sculpey (Knete um den Rohling zu formen (ca. 15€))

-Doppelseitiges Klebeband

-Schere

-Gefäße zum Anmischen des Silikons, beispielsweise Messbecher

-Gefäß zum Gießen der Form

-Mikrowelle, gebraucht von Ebay (maximal 20€)

-Geeignetes Gefäß, um das Plastisol in der Mikrowelle zu erhitzen

Atemschutzmaske (!) (ca. 30€)

Zunächst gilt es erstmal, umfangreiches Equipment zu beschaffen

Tipp: Kauft lieber erstmal etwas moderat ein, um euch an die Materie heranzutasten. Vergleicht auch unbedingt Preise, damit ihr euch im Nachhinein nicht ärgert! Ich spreche hier aus Erfahrung! 🙂

Der Rohling

Ihr habt nun den lästigen und durchaus kostspieligen Teil hinter euch und könnt endlich mit dem Basteln und den ersten Versuchen beginnen. Als erstes braucht ihr einen Köder, den ihr gegebenenfalls vervielfältigen wollt. Macht euch Gedanken und skizziert euch eure ideen wenn nötig sogar auf. In diesem Artikel modeliere ich mir meinen Rohling aus „Super Sculpey“ (vielen Dank für die Empfehlung, Krisztián), einer Knete die sich super formen lässt und gleichzeitig nicht zu weich ist.

Es gibt natürlich auch andere Wege sich seinen Rohling zu erschaffen, beispielsweise kann man aus Balsaholz oder PU Hartscchaum seinen Köder schnitzen. Solltet ihr zum Schnitzmesser greifen, passt aber bitte auf eure Finger auf und seid euch darüber im Klaren, dass es wesentlich mehr Fingerfertigkeit benötigt.

Ihr müsst euch als erstes entscheiden, wie groß und voluminös der Köder werden und welche Form er haben soll (ggf. vorher auf Papier skizzieren). Dementsprechend wählt ihr die Menge an Knete und fangt an diese in ihre Form zu bringen. Flossen beispielsweise könnt ihr seperat formen und später an den Körper ankneten und mit dem Finger vorsichtig einarbeiten. Zahnstocher, Messer oder andere Utensilien sind dabei durchaus hilfreich, so könnt ihr mit einem Messer z.B. Kiemenspalten einschnitzen oder mit dem Ende eines Lutscherstiels Augen in den Köder eindrücken. Das Formen an sich ist meiner Meinung nach nicht schwer, mit etwas Übung macht es sogar richtig Spaß! 🙂

Ihr könnt eurer Fantasie eigentlich freien Lauf lassen, jedoch sind zu filigrane Einzelheiten und Spielereien am Köder natürlich auch schwerer umzusetzen.

 

Wie zu Kindertagen, kneten macht einfach Spaß

Wie zu Kindertagen, Kneten macht einfach Spaß

Die Form

 

Nachdem ihr nun eurern Köder fertig modelliert habt, müsst ihr euch eine Form erstellen in die ihr später das Plastisol füllt und somit den Köder produziert. Stibitzt euch dafür beispielsweise eine Tupperdose o.Ä. aus der Küche, aber achtet darauf, dass der Boden möglichst eben und das Volumen möglichst gering ist, wodurch ihr euch übermäßigen Materialverlust erspart.

Nun nehmt ihr euch das doppelseitige Klebeband und schneidet einen Streifen ab, den ihr auf den Boden der Tupperdose klebt. Jetzt klebt ihr den Köder-Rohling mit dem Rücken auf die Klebeseite. Hierbei ist es sehr wichtig, dass keine Lufteinschlüsse zwischen Köder und Klebestreifen sind! Beim andrücken des Köders müsst ihr natürlich darauf achten, dass ihr seine Form nicht verändert.

So weit so gut, nun kommt das Silikon ins Spiel. (Man kann statt Silikon übrigens auch Gips nutzen, das Arbeiten damit ist jedoch gerade für Anfänger schwieriger, aber dafür auch deutlich günstiger)

Bei dem von mir benutzten Silikon mischt man beide Teile 1:1 miteinander. Vermischt das Silikon gut, sodass ihr eine einfarbige, cremige Masse erhaltet, aber achtet darauf, dass keine Blasen entstehen. Das ist leichter gesagt als getan, aber keine Sorge: durch leichtes schwenken des Behälters solltet ihr die meisten Blasen wieder rausbekommen. Habt ihr alles gut miteinander vermengt und die Blasen beseitigt, fangt ihr am Rand des Gefäßes langsam damit an das Silikon in die Form zu gießen.

Schritt 1 und 2: Beide Komponenten gut miteinander mischen Schritt 2 und 3: Den Köder behutsam einkleben und das Silikon vorsichtig an einer Stelle in das Behältnis eingießen

Schritt 1 und 2: Beide Komponenten gut miteinander mischen
Schritt 2 und 3: Den Köder behutsam einkleben und das Silikon vorsichtig an einer Stelle in das Behältnis eingießen

Tja und nun heißt es abwarten, bis das Silikon richtig durchgehärtet ist (Ca. zwei Stunden).

Um die Form aus der Tupperdose zu holen, wölbt ihr das Plastik einfach etwas nach außen. Ihr könnt auch mit euren Fingern oder einem Messer an den Seiten etwas nachhelfen. Seid aber lieber etwas behutsam, um der Form keinen Schaden zuzufügen. Habt ihr die Form aus den Zwängen eurer Tupperdose befreit, könnt ihr überschüssiges Silikon was ihr  für störend erachtet mit einer scharfen Rasierklinge oder einem Teppichmesser entfernen.

Die fertige Form

Die fertige Silikonform

 

An diesem Punkt kommen wir zum Expoxidharz. Wie oben schon kurz erwähnt, ist es nicht zwingend notwendig, aber ratsam.  Das Expoxidharz bewirkt letztendlich nur, dass euer Köder glänzend statt matt aus der Form kommt.

Mischt euch das Expoxidharz an (meist im Verhältnis 2:1) und pinselt vorsichtig und mit nicht zu viel Harz auf einmal die Form ein und lasst diese dann in Ruhe trocknen. Diesen Vorgang solltet ihr mindestens zwei bis dreimal wiederholen.

 

Endlich gießen!

 

Super, eure Form ist fertig und ihr könnt endlich mit dem Gießen anfangen!

Für den letzten Arbeitsschritt eignen sich am besten Keramik-Schalen, die eine Mündung zum Gießen haben. Außerdem achtet unbedingt darauf, dass ihr eine Atemschutzmaske tragt und verbrennt euch nicht die Finger an dem flüssigen Gummi!! Entweder nehmt ihr alte Gummireste oder ihr füllt Plastisol in die Keramik-Schale und stellt diese in die Mikrowelle. Bei mittlerer Hitze ca für drei Minuten.

Alte Gummiköder und Gummireste können kleingeschnitten jederzeit wieder eingeschmolzen werden

Alte Gummiköder und Gummireste können kleingeschnitten jederzeit wieder eingeschmolzen werden

Schaut immer mal wieder nach der Konsistenz des Gummis, sobald dieses komplett flüssig ist könnt ihr es heraus nehmen. Das reine Plastisol ändert übrigens auch seine Farbe von milchig zu durchsichtig. Solltet ihr farbige Gummiköder herstellen wollen, ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, an dem ihr die Farbe und oder Glitzer dem Plastisol beimischen könnt. Für einen Leuchteffekt im Dunkeln kann außerdem auch etwas Phosphat beigemengt werden. Hier sind euer Fantasie keine Grenzen gesetzt. Rührt die gewünschten Komponenten unter und erhitzt das Gemisch noch einmal kurz. Nun könnt ihr langsam das flüssige Gummi in eure Form füllen. Wenn dabei etwas über die Ränder tritt ist das absolut nicht schlimm, da ihr es am Ende ganz einfach  mit einer scharfen Rasierklinge abschneiden könnt.Solltet ihr mehrfarbige Köder produzieren wollen, müsst ihr natürlich zwei, drei oder mehr Keramik-Schalen mit den jeweiligen Farben erhitzen und nacheinander in die Form gießen.

Übergelaufenes Plastisol kann man behutsam abtrennen

Wenn die Form mit dem heißen Gummi gefüllt ist, lasst ihr diese nun circa zehn Minuten auskühlen, bevor ihr den fertigen Köder behutsam aus der Form pulen könnt. Jetzt kann man letzte Feinheiten am GuFi vornehmen, ihm mit Leuchtfarben Reizpunkte verleihen, ihn für authetischen Flavour in Fischöl einlegen oder wie in diesem Beispiel Augen aufkleben. Wenn euch in Zukunft ein Köder mit 3D-Augen so zerbissen wird, dass ihr ihn nicht mehr nutzen könnt, habt ihr nun vielleicht eine doppelte Recycling-Möglichkeit für ihn. Das Gummi zum Einschmelzen und die Augen zum Aufkleben auch einen selbst gegossenen Shad. Das übrig gebliebene Gummi lässt sich übrigens beliebig oft wieder erhitzen, sodass ihr nichts entsorgen müsst.

Bereit für den Einsatz!

Bereit für den Einsatz!

Am Ende des Artikels möchte ich euch noch ein paar Worte mit auf den Weg geben:

Natürlich braucht es etwas Geduld und Erfahrung, aber mit der Zeit werden die Formen und fertigen Köder immer besser. Wie ihr seht, sehen meine Köder auch noch lange nicht „professionell“ aus, aber Spaß macht es dennoch! Gerade zu Beginn sind die Kosten auch sehr hoch, da man sich natürlich einiges an Material aneignen muss. Die ersten Versuche gehen meist nicht wie gewünscht aus und man beginnt eventuell auch etwas zu zweifeln. Ich denke trotzdem das es ein toller Zeitvertreib hauptsächlich während der kalten Tage und der Schonzeiten ist. Wir werden demnächst mal mit eigenen Ködern ans Wasser gehen und austesten, wie sich die self-made Köder da so präsentieren. Die Ergebnisse werden wir euch nicht vorenthalten!

Ich hoffe, dass ich euch das Thema etwas näherbringen konnte und einige von euch auch Spaß beim Nachmachen haben werden.

Solltet ihr Kritik, Fragen oder Tipps haben, könnt ihr mir gerne eine Mail an julian@hechtundbarsch.de schreiben.

Liebe Grüße und viel Erfolg beim selber ausprobieren, euer Julian.

Kommentare