Der Spinner: Altes Blech oder Top-Köder? Verschiedene Modelle, Zielfische, Vor- und Nachteile im Überblick

Spinner gibt es schon seit ca. 130 Jahren, als die Marke "Pflueger" ihren allerersten sich selbst drehenden Köder (den Lominous) auf den Markt brachte. Heute gibt es hunderte verschiedene Varianten von Spinnern, doch alle haben Eines gemeinsam: sie besitzen alle ein rotierendes Metallelement. Dieses Metallplättchen hat unter Wasser eine spannende Aktion, da es auf unterschiedlichsten Ebenen Reize aussenden kann:

1. Optik: Auch wenn der Spinner an Land mit einem Fisch wenig gemeinsam hat, wird er beim Rotieren im Wasser zu einem blinkenden und blitzenden Körper - wie ein Beutefisch, der hektisch durch's Wasser schwimmt. 2. Druckwellen: Durch das rotierende Spinnerblatt werden Druckwellen erzeugt, diese nimmt der Räuber über das Seitenlinienorgan wahr. Kaum ein Köder erzeugt über diese Ebene so viel Reiz wie der Spinner. Gerade wenn das Wasser sehr trübe ist und optische Signale stark abgeschwächt werden, wird der Spinner hier zum Trumpf! Auch gegenüber gesättigten und desinterssierten Räubern können die Druckreize den entscheidenden Unterschied machen! 3. Geruch: In Deutschland weniger populär, aber dennoch sehr interessant sind Spinner mit einem aufschraubbaren Hohlkörper, in den man Lockstoffe oder andere Reizauslöser platzieren kann. Das kann gerade im Winter, wenn der Köder sehr langsam geführt wird und dem Lockstoff etwas Zeit zur Entfaltung gegeben wird, einen interessanten Zusatzreiz bieten. 4. Akustik: Durch die entstehende Reibung beim Rotieren entstehen zudem geringfügig akustische Signale, die besonders an bedeckten Tagen, an denen der visuelle Reiz minimiert wird, helfen können, die Aufmerksamkeit des Räubers zu erlangen.

Mögliche Interessenten: Vor allem Räuber wie Rapfen, Barsche sowie verschiedene Salmonidenarten stehen total auf die rotierenden Metallblätter. Natürlich ist der Spinner auf Hecht in allen Größenordnungen ein absoluter Topköder, doch auch räuberische Friedfische wie Döbel und Alande sowie manchmal sogar die eine oder andere Raub-Brasse lassen sich mit ihm prima überlisten. Mit speziellen Spinnern kann man sogar Zander ans Band bekommen, doch dazu später mehr.

Spinner Rapfen Daniels PB-Rapfen ging in Hamburg auf einen klassischen neongelben Spinner in Größe 3

Spezielle Spinnertypen: Den Spinner gibt es in den unterschiedlichsten Ausführungen, wie zum Beispiel die Bleikopfspinner, Spinnerbaits oder Buzzbaits. Bleikopfspinner besitzen, wie der Name schon sagt, einen Bleikopf, mit dem man speziell an tieferen Gewässerstellen wunderbar fischen kann. Spinnerbaits werden vor allem in den USA sehr viel auf Schwarzbarsch aber auch auf Muskies gefischt. Sie bestehen aus zwei Schenkeln, auf dem einen befinden sich eines oder mehrere Rotorblätter, auf dem anderen ein Körper der meist in Kombination mit einem Skirt angeboten wird. An diesem Schenkel befindet sich auch der Haken. Durch ihre Bauart ist ihre Hängeranfälligkeit minimal, auch Krautfelder können mit Spinnerbaits recht gut beangelt werden. Ein Nachteil beim Fischen mit diesem Ködertyp sind Fehlbisse auf den Schenkel, an dem sich kein Haken befindet. Buzzbaits gehören zu der Familie der Spinnerbaits und sind sehr ähnlich konzipiert. Da hier jedoch eine Art Propeller, der sich für seine Aktion anders als das klassische Metallplättchen nicht vollständig unter Wasser befinden muss, montiert ist, lassen sich Buzzbaits auch super an der Wasseroberfläche fischen. Eine weitere interessante Variation ist der "Tandemspinner". Dieser Spinner hat 2 Metallplättchen wodurch mehr Druckwellen unter Wasser entstehen und dem Räuber noch mehr Reize gesetzt werden. Den Tandemspinner nimmt man meist in ruhigen, großen Seen, wo man mehr Aktivität unter Wasser erzeugen muss, um den Fisch auch in größerer Distanz aufmerksam zu machen.

Links: Buzzbait Rechts: Tandemspinner Links: Buzzbait; Rechts: Tandemspinner

Damit ein Spinner sich perfekt dreht und "arbeitet" muss jedes Teil des Spinners richtig verarbeitet sein. Die Metallblätter müssen sicher und rotationsfähig am Draht platziert und im richtigen Winkel gekrümmt sein, um richtig rotieren zu können. Breitere Blätter haben eine höhere Wasserverdrängung, was einen erhöhten Widerstand während des Einkurbelns zur Folge hat und den Lauf des Spinners beeinflusst, so laufen sie im Gegenteil zu etwas schmaleren Blättern eher flach.

Neben den speziellen Formen gibt es natürlich auch unterschiedlichste Dekore. Es gibt Spinnerblätter die besonders grell oder im Gegenteil eher etwas gedeckt gehalten sind, es gibt Blättchen mit eingraviertem Schuppenmuster oder aufgeklebten, schrillen Designs.

Unterschiedliche Dekore und Variationen. Natürlich nur ein Bruchteil von dem, was man in jedem Angelladen finden kann Unterschiedliche Dekore und Variationen. Natürlich nur ein Bruchteil von dem, was man in jedem Angelladen finden kann

Kleiner Tipp: Wie wir wissen, ist der Spinner ein Köder, der aktiv unter Wasser arbeitet und die Räuber auf verschiedensten Ebenen reizt. Nun ist es jedoch so, dass man oftmals die Aufmerksamkeit des Räubers zwar weckt und er einige Meter hinter dem Köder her ist, im letzten Moment jedoch wieder abdreht. Hierfür gibt es einen kleinen Trick, der den ein oder anderen Räuber letztendlich doch zum Biss überreden kann: 5 Meter bevor der Köder das Land oder das Boot erreicht, holt man einfach 2- 3 Kurbelumdrehungen schneller ein, was in manchen Fällen zu rasanten "last-minute-Attacken" führt.

Neuheiten und Spezialitäten:

Zander gefangen auf Spinner? Auch das geht! Unsere amerikanischen Angelfreunde haben einen eigenen Spinner für die Zanderangelei entwickelt. Dieser hat einen schweren, spitzen Bleikopf und ein schlichtes Spinnerblättchen, er besitzt einen Einzelhaken auf den dann meist sogar noch Fischfetzen oder Krebse für einen Extrareiz gezogen werden. Auch Hybridvarianten wie z.B. ein Gummifisch auf einem ganz normalen Jig, an denen man als Zusatzreiz ein einzelnes Spinnerblatt befestigt, können für Zander eine interessante High-Action-Beute darstellen.

DSC_0247 Tonis PB-Bachforelle ging einem kleinen braun-weißen Spinner in Größe 2 auf den Leim

Doch wieso gerät der Spinner gerade hierzulande gefühlt immer mehr in Vergessenheit? Man sieht heutzutage immer weniger Angler, die dem Spinner eine regelmäßige Abkühlung im Wasser gönnen. Klar hat dieser Köder auch einige Nachteile. Beispielsweise verursacht das rotierende Spinnerblättchen schon nach den ersten Würfen massiven Schnurdrall, was sich allerdings durch das Vorschalten eines guten Dreierwirbels drastisch minimieren lässt. Alternativ kann man auch kurz unterhalb der Schnuröse den Draht in einem 40 Grad Winkel abknicken, was ebenfalls den Schnurdrall minimiert, allerdings ist das nicht bei allen Modellen möglich. Auch das Aufbewahren beziehungsweise das Entnehmen eines Spinners aus der Köderbox kann zur Fummelarbeit werden, da sich die Drillinge all zu gerne ineinander verhaken. Dem kann man unter Anderem durch das Montieren eines Einzelhakens statt dem Drilling entgegenwirken. Das ist letztendlich auch fischschonender, viele Angler sehen hier zudem den Vorteil, dass ein gehakter Fisch den Einzelhaken (anders als den Drilling) nicht aushebeln kann. Die letzte, lästige Eigenschaft des durchgedrehten Kunstköders ist das Verbiegen des Drahtes während des Drills, jedoch kann man über diesen kleinen Makel mit Sicherheit hinwegsehen, während man stolz seinen Fang landet.

Alles in allem kann die abnehmende Verwendung des Spinners in Deutschland eigentlich nicht an der fehlenden Fängigkeit liegen. Auch wenn der Spinner für einige Aufgaben bestimmt nicht der ideale Köder ist, gibt es doch zahlreiche Einsatzgebiete, in denen er durchaus sehr erfolgreich sein kann. Auffällig ist, dass für das "traditionelle" Produkt im Vergleich zu anderen Kunstködern sehr wenig Werbung gemacht wird. Es liegt daher die Vermutung nahe, dass die Industrie zum Beispiel im Vergleich zu Gummifischen und Wobblern weniger Variationen und Innovationen vermarkten kann, was Formen und Farben betrifft, vielleicht sind hier auch die Gewinnmargen nicht so hoch. Möglicherweise ist das der Grund, weshalb Angler häufig andere Köder im Kopf haben, wenn sie ihrem nächsten Traumfisch auflauern wollen.

Gerade an Tagen wo es mit dem Gummi und anderen Kunstköder eher schleppend läuft, empfehlen wir euch, dem Spinner mal seine verdiente Chance zu geben. Denn, ihr kennt den Spruch alle: Spinner geht immer!

Wir wünschen euch ratternde Rollen und viel Erfolg am Wasser,

Euer Team von hechtundbarsch.de.

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