Mission Meerforelle – Der Erlebnisbericht vom Covershooting auf Rügen

Liebe Angelfreunde,

Ende Januar erhielt ich von Dirk, dem Chefredakteur des Magazins "Am Haken" eine sehr interessante Mail: Gemeinsam mit Victor von „Ich geh‘ angeln“ sollte ich für das Frontcover der April-Ausgabe auf Meerforelle angeln. Beim Lesen der Mail war ich sofort Feuer und Flamme für diese Idee, doch im letzten Satz entdeckte ich, wie der Name des Magazins schon sagt, einen gewissen „Haken“. 

Nicht Victor und ich gemeinsam, sondern nur einer von uns beiden sollte auf dem Cover mit einer Meerforelle abgebildet werden. Meinem Naturell entsprechend war ich von dieser Herausforderung sofort angetan, sah meine Chancen auf ein Coverbild ob meiner Unerfahrenheit beim Meerforellenangeln im Vergleich zu Victor jedoch deutlich schwinden. Andererseits lag darin auch ein gewisser Vorteil. Denn offen gesagt, wäre mir klar gewesen, was für eine Mammutaufgabe vor uns lag, hätte ich Victor das Feld möglicherweise freiwillig überlassen. So aber stellte ich mich frohen Mutes und ein bisschen naiv der Herausforderung.

Als Fotograf wurde unser gemeinsamer Kumpel Murat ausgewählt, der zusätzlich zur seiner eigentlichen Profession auch die Funktion der Heidi Klum bei dieser Episode von „Germany’s next Topfisher“ übernehmen sollte. Zu diesem Zeitpunkt gingen zumindest Murat und ich von einer Fülle an Bildmaterial aus und Murat sollte daraus das schönste Meerforellenfoto aussuchen. Als wir uns zum ersten Mal mit Victor trafen um das Ganze genauer zu besprechen, holte uns unser sympathischer Kollege knallhart auf den Boden der Tatsachen zurück: „Jungs, ich würde sagen, wir nehmen das Foto, von dem Fisch, den wir fangen.“ Singular? Hatte ich richtig gehört? Ich meine, wir waren gerade dabei, eine zweitägige Fahrt nach Rügen zu organisieren. Victor hatte sich nicht versprochen. Er erinnerte uns an die Bezeichnung „Der Fisch der Tausend Würfe“, die für Meerforellen üblich ist. So leicht schien also nicht zu werden.

Voller Optimismus brachen wir eines Mittwochmorgens auf, um in Rügen das notwendige Foto zu schießen. Nach etwa 3 Std. Anfahrt passierten wir die Rügenbrücke, einem super Spot für Hecht, Barsch und Zander, doch unser Ziel war das Kap Arkona ganz im Norden von Rügen. Nach einer weiteren Stunde waren wir da. Dachte ich. Ihr kennt alle die Postkarten-Fotos der wunderschönen Klippen von Rügen im Sonnenuntergang. Wer dort Meerforellenangeln geht, lernt die Kehrseite dieser tollen Naturform kennen. Im Zwiebelprinzip in fünf Schichten eingepackt, in Wathose und mit Angelzeug mussten wir nun die Klippen runter. Völlig außer Atem unten angekommen, bauten wir zuerst unser kleines Lager auf und fingen dann motiviert an zu angeln. Nach einiger Zeit fiel Victor auf, dass etwa 150 m parallel zur Küste ein Netz gespannt war, soweit das Auge sehen konnte. Victor brachte einen Spotwechsel ins Gespräch, doch Murat und ich konnten ihn mit dem Argument überzeugen, es könne auch Meerforellen auf der Küstenseite des Netzes geben. Ob wir das wirklich geglaubt haben? Ich weiß es nicht. So fischten wir in Eiseskälte halbwegs munter weiter.

Die Bedingungen waren schwierig. Man angelt dort auf auf großen runden Steinen, die ein ausbalanciertes Stehen sehr schwierig machen. In unregelmäßigen Abständen kamen kalte Wellen entgegengeschwappt, die für weiteres Risiko sorgten. Hinfallen war keine Option, das Wasser hatte zwei Grad. Und je länger der Tag wurde, desto intensiver bekamen wir diese Temperaturen zu spüren. Wurf um Wurf wurde der silberschwarze Meerforellenblinker von mir herausgeschleudert. Mittlerweile spürte ich Füße und Hände nicht mehr, das Gefühl vom Kampf des Menschen gegen die Elemente wuchs in mir. Kein Zeichen von irgendeinem Fisch. Ich stellte in meinen Gedanken, alles was wir hier machten, ganz grundsätzlich in Frage, von Köderführung, wahl des richtigen Meerforellenköders über Spotwahl bis zur Bedeutung der gespannten Netze. Trotzdem blieben wir bis zum Einbruch der Dämmerung tapfer, „wärmten“ uns ab und zu außerhalb des Wassers auf und versuchten es immer und immer wieder.

Auf dem Nachhauseweg in unser kleines Apartment resümierten wir den Tag und feilten an der Strategie für unsere Mission. Ich könnte jetzt hier schreiben, dass ich die Jungs für den nächsten Tag aufgebaut hätte und voller Optimismus auf den Folgetag geschaut hätte, doch das wäre eine Lüge. Ich fragte stattdessen: „Kann Dirk nicht auch ein super Hecht- oder Zanderfoto gebrauchen? Oder wie sieht‘s aus mit Barsch? Wäre ein tolles Motiv, oder?“ Um diese Option schmackhaft zu machen, erzählte ich abends am Kamin von all meinen Angelerlebnissen am Strähler Sund.

Doch Viktor stellte sich als sturer Verhandlungspartner dar. Er war trotz der miserablen Ausbeute am ersten Tag bereit, alles auf eine Karte zu setzen. Auch Murat packte plötzlich wieder die Angriffslust. Es wurde also entschieden, morgen an einem anderen Spot die komplizierte Mission fortzusetzen. Es war nun allen Beteiligten klar: Der erste maßige Fisch, den wir fangen würden, wäre der Fisch für das so wichtige Foto. Für den Fall, dass Murat als einziger etwas fangen würde, bekäme Victor das Foto, das hatte das Los leider entschieden. Als ich mich ins Bett legte, schlief ich ein, als wäre ich mindestens einen Marathon gelaufen.

Nach einigen wichtigen Stunden Schlaf standen wir pünktlich um 8 Uhr auf der Klippe der nördlichsten Spitze von Rügen. Nachdem wir den steilen Abstieg irgendwie gemeistert hatten, deutete Victor in die Ferne. „Da sollten wir es zuerst versuchen“, sagte er und zeigte Richtung Horizont. Murat und ich ging schon mächtig die Puste. Nach 20 weiteren Minuten Weg, entlang der steinigen Küste auf ungünstigstem Geläuf hatten wir noch immer nicht die Hälfte der Strecke zurückgelegt. Nachdem Victor uns eine mit ein paar Würfen garnierte Pause bewilligt hatte, ging es weiter zu dem Spot, an dem es heute klappen musste. Ich musste zugeben, dass auch bei mir der innere Anglerinstinkt sagte, dass dieser Spot besser sein würde. Auch die Anwesenheit eines andern Anglers nahm ich als Strohhalm  der Hoffnung. Mit dieser Zuversicht im Gepäck stiegen wir wieder ins eiskalte Wasser und warfen stundenlang die Blinker raus.

Während ich zu Beginn alle Stunde eine kleine Aufwärmphase außerhalb des Wassers brauchte, wurden die Abstände zwischen den Pausen mit zunehmender Dauer immer kürzer. An dieser Stelle muss ich mich wirklich bei Victor und Murat bedanken. Es ist so wichtig, solche Momente mit Freunden zu erleben, in guten wie in schlechten Zeiten. Obwohl mir das Meer bereits den letzten Funken Wärme entzogen hatte und mein Optimismus, mit irgendeinem Foto nach zurückzukehren mittlerweile komplett erloschen war, motivierte Victor mich kurz vor Einbruch der Dämmerung ein allerletztes Mal: „Komm Daniel, hinten kackt die Ente“ sagte er in seiner charmanten Berliner Art. Ich schleppte mich ein letztes Mal ins eiskalte Meer.

Murat stand relativ dicht neben mir, als ich das Unglaubliche wahrnehmen durfte. Seine Rute bog sich kräftig! „Fisch“, rief Murat, seine Stimme klang gleichermaßen erstaunt wie enthusiastisch. „Endlich“, dachte ich und just in diesem Moment bog sich meine Rute ebenfalls! Was für ein unglaubliches Gefühl! Keine Kälte, keine Nässe, kein Wind, keine Anstrengung. All das war für meinen Körper nicht mehr wahrnehmbar. Murat und ich riefen einander zu und schrien vor Glück. Die Forellen sprangen beim Drill mehrfach aus dem Wasser und ich war wie unter Strom. Diesen Fisch durfte ich auf keinen Fall verlieren! Man hatte es doch gut mit uns gemeint! Beide brachten wir unsere wunderschönen, silbernen Forellen im Kescher unter und liefen so schnell es ging, freudig wie kleine Kinder schreiend, ans Land. Da war er, der Fisch der Tausend Würfe! Wir versorgten die beiden maßigen Prachtexemplare und begannen überglücklich mit dem Shooting.

Mission erfüllt! Wir machten uns erschöpft aber hochzufrieden auf den Nachhauseweg. Ich ließ im Auto die beiden Tage Revue passieren, die Hoffnung, die Anstrengung, die Kälte, die Verzweiflung und die Erlösung. Es stimmt tatsächlich: Das Meerforellenangeln kann wirklich unglaublich hart sein. Es sind Ausdauer und am besten 1-2 gute Kumpels notwendig, um die Hoffnung nicht aufzugeben, aber das Gefühl, wenn man dann endlich eine am Haken hat, ist einfach unbezahlbar. Ich kann es daher letztendlich jedem, der es noch nicht gemacht hat, empfehlen, sich irgendwann mal dieser Herausforderung zu stellen. Ich werde es auf jeden Fall wieder machen! Im April, wenn es ein wenig wärmer ist.

Fast hätte ich es vergessen, aber um einen Satz komme ich leider nicht herum: „Victor, wir haben heute leider kein Foto für dich.“

Eine coole Fotostory zu dem Tag und viele andere interessante Geschichten findet ihr in der neuen Ausgabe von "Am Haken". Wer die Ausgabe noch nicht hat, kann sie hier bestellen oder abonnieren.  

Bis zum nächsten Mal wünsche ich euch allen ratternde Rollen!

Fotos: Murat Aslan Text: Daniel Andriani und Toni Wehn

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