Angeln in Polderkanälen - HechtundBarsch.de

Angeln in Polderkanälen

Angelschein machen: So geht's Du liest Angeln in Polderkanälen 8 Minuten Weiter Angeln in Westflandern

Was ist das Besondere der Polderkanäle? Was sind eigentlich Polderkanäle? Wie ist der Fischbesatz und was gibt es generell über Polderkanäle zu wissen? Erfahrt in diesem Gastbeitrag von Marco Solar, was das Angeln in den Poldern für Sportfischer so interessant macht.

Wenn wir “Polder” sagen, denken wir eigentlich immer auch gleich an die Niederlande. Der Begriff “Polderhecht” ist beinah allen deutschen Sportfischern bekannt. Nur Wenige wissen, dass es auch Hechte in anderen Poldergewässern außerhalb den Niederlanden gibt.

Neben eben diesen Hechten gibt es außerdem auch noch die “Polderkarpfen”. Auch diese Fische gibt es über die niederländischen Poldergrenzen hinaus, wie zum Beispiel in Deutschland, Dänemark, Belgien und noch vielen weiteren Ländern – kleine Kanäle, die meist landwirtschaftlich geprägte Regionen durchziehen und eine ganz besondere Funktion haben.

Was sind Polder?

Grundsätzlich spricht man bei einem Polder von einer Region, die von umliegenden Deichen vor Überschwemmung geschützt wird, sollte sie besiedelt sein, da sie in der Regel unter Bodenniveau liegen. Das Wasser wird also dauerhaft über die Deiche abgepumpt. Es gibt auch Regionen, die zum Schutz vor drohendem Hochwasser absichtlich geflutet werden. Sportfischer nutzen den Begriff “Polder” oftmals in Bezug auf die umliegenden Gewässergräben; ein "Polder" ist für Sportfischer im übertragenen Sinne also der Poldergraben.

“Ich gehe nächstes Wochenende auf Polderhecht!”

“Der Polder(kanal) bei der kleinen Brücke läuft, da habe ich gut gefangen.”

Die beiden obenstehenden Aussagen sind typische Sätze unter Sportfischern. Fiktiv, aber trotzdem ein gutes Beispiel, wie die Polder ihren Weg in unseren alltäglichen Sprachgebrauch gefunden haben. 

Dustin Schöne an Polderkanal

Die Angelei in den sogenannten Polderkanälen erfreut sich zunehmender Beliebtheit und lockt auch gestandene Größen der Angelszene an ihre Ufer - hier im Bild: WPC-Gewinner Dustin Schöne im Finale des YouTube Predator Cup 2018.

Polderlandschaft

Allgemeine Merkmale einer Polderlandschaft sind die geringe Bebauung, flaches Land mit einer weiten Sicht und nur kleinflächigen Waldgebieten, sowie die für uns besonders interessanten Kanäle, die sich durch meist sehr ansprechende Landschaften ziehen.

Je nach Region gibt es Polderlandschaften mit recht hohen Deichen, oftmals in Deutschland oder Polen, welche die entsprechende Gegend eingrenzen. Im Gegensatz dazu gibt es auch sehr weitläufige Polderlandschaften, die vor allem mit schönen Windmühlen und beeindruckenden Schleusenbauwerken in Errinnerung bleiben. Letztere oft in Belgien oder den Niederlanden. So verschieden die lokalen Polderlandschaften auch sind, die kleinen bis mittleren Kanäle ähneln sich allerdings sehr stark.

Ohne ein Netzwerk an Kanälen bestünden die uns bekannten Polderlandschaften der heutigen Zeit nicht. In der heutigen, modernen Zeit benutzt man den Begriff "Wasserwirtschaft" oder "Wassermanagement". Während der Entstehungsphase der ersten Polderlandschaften sprach man noch von "Trockenlegung". Es war im 15. Jahrhundert in Holland, als zum ersten Mal durch Einsatz eines ausgeklügelten Planes ein ganzes Gebiet durch Menschenhand entwässert wurde. Die Fläche wurde bewohnbar und auf Dauer selbst für den Ackerbau nutzbar.

Damals sorgten Pumpen an großen Windmühlen für das nötige Wasserdifferential, sodass die Polderlandschaft trocken gelegt werden konnte und es auch blieb. Vereinfacht gesprochen, senkte und kontrollierte man den Grundwasserspiegel.

Heutzutage gibt es überall große digitale Netzwerke, die automatisierte und unauffällige Pumpen antreiben. So lässt sich von einer zentralen Schaltstelle aus alles bequem regeln und kontrollieren. Vielerorts wird das Wasser der Kanäle auch als Löschwasser genutzt.  

Fischbestand und Fischbesatz der Polderkanäle

Die Frage, die sich jeder Angler stellt, der zum ersten Mal an einem kleinen Polderkanal angelt:

“Was kann ich hier fangen und wie?”

Die Fischbestände unterscheiden sich je nach Region. Die wohl bekanntesten Fische der Polder sind die Hechte. Aber auch in Belgien gibt es viele sehr gute Polderkanäle zum gezielten Angeln auf Hecht. Hier vor allem in West-Vlaanderen rund um Brügge und Sluis. In den Niederlanden konzentriert sich der Hechtbestand auf die Region Nordholland rund um Sneek und Medemblik.

Die Poldergewässer der Region Zeeland im Süden der Niederlande sind vor allem interessant für Friedfischangler. Wobei die räuberischen Polderkarpfen auch gerne beim Spinnfischen, beispielsweise mit einem Gummitwister, gefangen werden können.

Da es sich bei einem Polderkanal in der Regel um ein künstlich angelegtes Gewässer handelt, wurde der Fischbesatz durch regionale Fischereivereine und ähnlichen Institutionen geplant und durchgeführt. Das heißt, es wurden Fische in die Gewässer gesetzt und Laichräume geschaffen. Über die Jahre haben sich verschiedene Fischbestände prächtig entwickelt.

Eins haben alle Fische in den Polderkanälen gemeinsam:

Der Anbiss ist immer eine große Überraschung, wenn in einem gerade mal zwei Meter breiten und relativ flachen Gewässer ein großer Brocken Gas gibt.

Handgroße Topwater Baits sind ganz sicher keine schlechte Wahl zur gezielten Jagd auf die Polderräuber.

Nicht zuletzt durch die strikte No-Kill Regelung an vielen Poldern in Holland, konnten sich dort sehr gute Bestände, mit darunter vielen großen Exemplaren entwickeln. Die Niederländer spielen hierbei eine Vorreiterrolle und glänzen heute mit sehr guten Angelmöglichkeiten und Fangchancen. Auch wenn sich teilweisen die Bestände von Hechten oder Karpfen häufen, sind die Fischbestände doch grundsätzlich recht ausgeglichen.

Tipp für Aal-Angler

Was nur wenige wissen ist, dass es sehr starke Aal-Populationen in den belgischen Poldergewässern gibt. Ebenso ist der deutsche Norden und deren lokalen Kanäle immer ein Ansitz auf Polderaal wert.

Tipp für Schwarzbarsch-Angler

Wer es auf räuberische Schwarzbarsche abgesehen hat, der liegt mit den Polderkanälen im Süden von Frankreich genau richtig. Neben kampfstarken Karpfen sind die Schwarzbarsche eine lokale Besonderheit für alle Sportfischer entlang der französischen Polderkanäle.

Grundsätze fürs Angeln an Polderkanälen

Zum Schluss noch ein Tipp von den besten und erfolgreichsten Anglern an unseren europäischen Poldern:

Probiert zu jeder Zeit so unauffällig wie möglich am Gewässer zu sein.

Beobachtet jede Bewegung im Wasser und lernt diese zu deuten. Scheut euch bloß nicht vor großen Kunstködern. Meterhechte sind keine Seltenheit in den Poldern!

Köder, Gerät & Methodik am Polder

Traditionell wurden viele Polderkanäle früher mit Naturködern befischt. Ein Versuch mit einem toten Köderfisch an einer driftenden Posenmontage ist sicher auch heutzutage einen Versuch wert. Effizienter und aktiver kann man bei den Poldern allerdings mit Kunstködern auf Raubfische angeln. Die großen Hechte attackieren die Baits reflexartig. Oft sogar schon direkt nach dem Aufkommen auf der Wasseroberfläche.

In der Regel handelt es sich bei einem Polderkanal um ein 0,5 - 2 Meter tiefes Gewässer. Nur vor den Schleusen und bei Rückstaubecken wird es oftmals tiefer als 2,5 Meter. Das heißt hier kommen Topwater Baits und flachlaufende Köder zum Einsatz. Seid bei der Köderwahl nicht zurückhaltend. Wie schon weiter oben erwähnt, ist ein +20 cm Popper oder ein langer Wobbler nie zu groß. 

Unterschiedliche Landschaftstypen an Poldern

Entlang der Poldergräben gibt es die unterschiedlichsten Landschaften zu bewundern oder man bekommt die Möglichkeit durch idyllische Dörfer zu schlendern. Diverse Brücken bieten potenzielle Hot Spots.  

Rute

Neben den richtigen Ködern muss der Rest der Ausrüstung zum Angeln bei den Polderkanälen natürlich auch stimmen. Eine starke Spinnrute mit viel Rückgrat und einer Länge von circa 2,50 - 3,00 Meter ist in vielen Fällen die richtige Wahl, da ihr eure Angelköder an einigen Stellen über Schilf und anderen Uferbewuchs führt. Jedoch, solltet ihr guten Zugang haben und euch für Stickbaits und andere Topwater-Köder entscheiden, empfiehlt sich eher eine kürzere Rute, mit der ihr die jeweiligen Köder deutlich besser führen könnt. Manchmal macht eine 3,00 m Rute an einem 1,5 m breiten Kanal mit direktem Zugang auch einfach wenig Sinn ... 

Schnur

Ob man nun lieber mit einer geflochtenen oder einer monofilen Schnur fischt, das bleibt einem persönlich überlassen. Ein kontroverses Thema, über das viel diskutiert wird.

Fakt ist:
Eine geflochtene Schnur hat beinah keine Dehnung. Die Wucht des Anbisses muss dadurch komplett durch die Angelrute abgefangen werden. Auf kurze Entfernung schlitzen so viele Fische aus. Eine gute monofile Angelschnur dehnt sich und fängt viel Energie des Fisches ab bevor diese die Rute erreicht.

Vorfach

Ein letzter Punkt der leider viel zu wenig Beachtung findet, ist das richtige Vorfachmaterial. Im Idealfall stimmst du dein Vorfach immer auf den Zielfisch und deinen Bait ab. 

Zusammenfassung

Angeln an Polderkanälen heißt: Viel Motivation mitbringen und ordentlich Strecke machen. Gutes Schuhwerk ist also Pflicht. Mit der Zeit kommt die Erfahrung und die Erkenntnis, dass es vor allem die unverhofften Würfe und Angelstellen sind, an denen die größten Fische beißen. Polder sind immer wieder ein Abenteuer! 

Daniel gegen Tobias Ekvall im YouTube Predator Cup: Entlang der Polder: