Sind Köderfarben ausschlaggebend für den Fangerfolg?

Liebe Angelfreunde, wer kennt es nicht? Jedes Jahr zum Start der neuen Raubfisch-Saison findet man in den lokalen Angelläden ein schier endloses Angebot an Kunstködern in unzähligen Formen – und vor allem Farben.

Die Tackleboxen sind prall gefüllt und ist man endlich auf oder am Wasser angekommen, wird dort zunächst akribisch die vermeintlich fängigste Farbe für das jeweilige Gewässer ausgewählt. Aber beeinflusst die Farbe wirklich den Fangerfolg? Nach welchen Kriterien sollte man die Farbe eines Köders auswählen? Vor einiger Zeit haben wir in einem Blogeintrag bereits die Basics der gängigen Köder-Farbauswahl auf Grundlage von Lichtintensität, Sonnenstand, Wassertrübung und Wassertiefe erklärt (mehr dazu lest ihr hier: https://www.hechtundbarsch.de/blog/sei-mutig-bekenn-farbe/). Diese Auswahlkriterien sind physikalisch nachvollziehbar und erzielen häufig auch die gewünschten Ergebnisse – sie wurden bisher aber nicht wissenschaftlich überprüft.

Da mich die Thematik persönlich sehr interessiert, habe ich mich daher auf die Suche nach empirischen Aussagen gemacht und bin auf eine Gruppe kanadischer Forscher gestoßen. Die Biologen haben 2015 eine Studie publiziert, in der sie den Einfluss der Köderfarbe auf den Fangerfolg (genauer der „catch per unit effort“, also der Fangerfolg im Verhältnis zum Zeitaufwand), die Größe der gefangenen Fische und die Verletzungen, die der Fisch beim Fang durch den Angelhaken erleidet (sprich, ob die Farbe des Köders einen Einfluss darauf hat, wie tief der Fisch den Köder schluckt).

Die Bedeutung des "catch per unit effort"

Untersucht hat die Forschungsgruppe dazu den dort häufig vorkommenden und viel beangelten Largemouth Bass. Dieser ist – wie die hier beheimateten Flussbarsche, Zander und Hechte – ein Sichträuber; die Köderfarbe sollte sein Jagd- und Fressverhalten also beeinflussen, sofern ein derartiger Zusammenhang existiert. Verschiedene vorangegangene Experimente zur Farbwahrnehmung des Largemouth Bass haben gezeigt, dass die Fische Farben in etwa so wahrnehmen, wie ein Mensch sie mit einer gelb gefärbten Sonnenbrille sieht. Sie können rot, grün, gelb und blau unabhängig voneinander gut erkennen, haben aber Schwierigkeiten bei der Unterscheidung von blau und grün, wenn diese zusammen vorkommen. Die Biologen haben die Studie über 17 Tage im Sommer 2014 durchgeführt und währenddessen ausschließlich mit ungeflavourten Wurmimitaten von 12,7cm Länge in drei verschiedenen Farbkategorien (dunkel: schwarz und blau; natural: rot und wasp (rosa-shrimp); hell: orange und weiß) geangelt. Acht Angler führten die Köder sehr passiv, mit langen Absinkphasen und langsamen Kurbelumdrehungen. Insgesamt wurden während der gesamten Untersuchung 119 Largemouth Bass gefangen, davon 25 auf den blauen Köder, 23 auf den schwarzen, 22 auf den weißen, 17 auf den wasp, 16 auf den orangen und 16 auf den roten – daraus ergibt sich den Forschern zufolge kein signifikanter Zusammenhang zwischen der Köderfarbe und der Anzahl an gefangenen Barschen. Ebenso wenig wird die Schlucktiefe des Köders durch dessen Farbe beeinflusst. Erstaunlicherweise fingen aber die Farben, die der Kategorie „hell“ angehörten, nachweislich größere Fische. Leider ist dies die einzige wissenschaftliche Untersuchung, die sich zu dem Thema finden ließ. Aufgrund der kleinen Strichprobe und der Tatsache, dass nur eine Art in einem einzigen See untersucht worden ist, können die Ergebnisse natürlich nicht einfach auf andere Gewässer und Bedingungen übertragen werden. Trotzdem regt die Studie zum Nachdenken an – fängt die eigene Lieblingsfarbe tatsächlich nur so gut, weil man ihr vertraut oder weil man sie am häufigsten fischt (s.o.:„unit effort“)? Letztendlich muss das wohl jeder Angler für sich selbst entscheiden, zumindest solange keine repräsentativen Untersuchungen zu dem Thema existieren.

Schöner Hecht auf Motoroil

Die Strategie "match the hatch"

Meine Erfahrungen (und sicher auch die der meisten von euch) zeigen häufig ein anderes Bild als das der Studie. So kennt jeder zum Beispiel den Grundsatz „match the hatch“ und oft scheint das auch zu funktionieren. Gerade zum Beginn dieser Barsch-Saison, die für mich auf der mecklenburgischen Kleinseenplatte begann, war das Finden des richtigen Köders äußerst schwierig. Das Wasser war noch recht kalt und klar und so arbeiteten wir uns durch verschiedenste Köderformen und -farben bis zum ersten Biss. Seltsamerweise kam dieser extrem brutal, bis dahin hatten wir die Barsche als zu passiv abgeschrieben. Der Erfolgsköder war ein Easy Shiner in der Farbe Red Crawdad, also einem gedeckten braun-rot.

Der Farbton ist entscheindend

Von da an befischten wir die Hotspots hauptsächlich mit bräunlichen Dekoren und siehe da – mit dem Easy Shiner, Magenbitter Manni sowie dem Fat T-Tail Minnow oder dem Shad Teez in Motor Oil konnten wir bei fast jedem Wurf zumindest einen kleinen Barsch überlisten. Auf andere Farben derselben Köder passierte schlichtweg gar nichts. 

Habt ihr auch solche Erfahrungen gemacht? Seht ihr die Notwendigkeit für viele unterschiedliche Farbdekors oder beschränkt ihr euch auf einige wenige? Mir macht das Stöbern nach neuen Ködern in unterschiedlichen Formen und Farben für den nächsten Angelurlaub jedenfalls sehr viel Spaß und ich finde, dass es genauso zum Hobby dazugehört, wie das Fangen eines Fischs an sich.

Über Kommentare, Feedback und Berichte eurer persönlichen Erfahrungen unter diesem Beitrag würde ich mich sehr freuen!

Macht’s gut und tight lines, Lieske

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