Spinnfischen auf Meerforelle an der Küste

Ein Beitrag von H&B-Teamangler Toni Wittbrodt Die Meerforelle - Der Fisch der 1000 Würfe. Ohne Frage ist es nicht immer einfach eine Meerforelle zu fangen. Sowohl Anfänger aber auch erfahrene Angler gehen bei der Suche nach den Silberpfeilen öfter mal als Schneider nach Hause. Doch zum einen gehört das wohl gewissermaßen zum Mythos und der damit verbundenen Faszination für diesen Fisch. Zum Anderen kann man auch echte Sternstunden erleben. Neben dem nötigen Quäntchen Glück gibt es einige Dinge, die man richtig machen kann. Wie bei den meisten Fischarten, aber vielleicht noch etwas ausgeprägter ist es bei der Meerforelle extrem wichtig auf Umwelteinflüsse, Nahrungsangebot und Jahreszeiten zu achten. Genau das ist der Schlüssel zum Erfolg. Auch wenn eine hochwertige Rute und ein teurer Köder die letzten Prozente ausmachen können, sind Know-How beim Meerforellenangeln das A und O. In diesem Blogeintrag soll es darum gehen, den einen oder anderen Petrijünger bestmöglich auf das Angeln auf Meerforellen vorzubereiten. Es ist extrem wichtig seinen Zielfisch zu kennen, daher beginnen wir mit der Biologie und dem Lebenszyklus unserer Silberschätze. [caption id="attachment_16362" align="aligncenter" width="640"]Verbreitungsgebiete der Meerforelle Verbreitungsgebiete der Meerforelle in Europa[/caption]

Biologie der Meerforelle

In erster Linie gilt es darauf hinzuweisen, dass Meer-, Bach- und Seeforelle zu ein und derselben Salmonidenart gehören und sich nur in Ihrem Lebensraum unterscheiden. Diese unterschiedlichen Erscheinungsformen haben sich in erster Linie durch das Abschneiden von Lebensräumen gebildet. Die Seeforelle lebt im Binnensee und zieht zum Laichen in angrenzende Flüsse. Die Bachforelle lebt stationär im Bach und verbringt dort ihr ganzes Leben. Meerforellen zählen zu den anadromen Wanderfischen, die im Meer leben und zum laichen ins Süßwasser ziehen.

Lebenszyklus der Meerforelle

Meerforellen laichen typischerweise im Zeitraum von November bis Januar. Dies ist jedoch abhängig von unterschiedlichen Wasserständen, Witterungsbedingungen, Größe des Flusssystems und regionale Gegebenheiten. Die Meerforelle wandert in die Flusssysteme bis in die kleinsten Oberläufe, um in einem ausgedehnten Kiesbett ihr Laichgeschäft zu verrichten. Pro Kilogramm Körpergewicht kann der Rogner 1000-2000 Eier legen. [caption id="attachment_16359" align="aligncenter" width="1024"]Meerforellen ziehen aus dem Meer ins Süßwasser um dort zu laichen Meerforellen ziehen aus dem Meer ins Süßwasser um dort zu laichen[/caption]   Die Überlebensrate der Brut liegt bei ca. 60-70 %. Nach ein bis zwei Jahren beginnt die kleine Meerforelle sich silbern zu verfärben, davor ist sie von einer Bachforelle kaum zu unterscheiden. Dieser Prozess wird Smoltifikation genannt. Kurz darauf wandert die Meerforelle ins Meer ab. Die verschiedenen Bezeichnungen und Erscheinungsformen der Meerforelle verwirrten mich anfangs oft, damit euch das nicht passiert erkläre ich diese kurz im folgenden Abschnitt.

Unterschiedliche Erscheinungsformen der Meerforelle

Jungfische ab 3cm nennt man Parr man erkennt sie an den dunklen Streifen auf der Flanke. Nach ein bis zwei Jahren und einer Größe von ca. 15- 20cm fangen die Jungfische an sich silbrig zu verfärben, diese Erscheinungsform bezeichnet man als Smolt. Fische, die noch nicht geschlechtsreif sind, bzw. noch nicht am Laichgeschäft teilgenommen haben, bezeichnet man als Grönländer. Diese erkennt man an losen Schuppen. Fjordforellen weisen eine goldbraune Färbung mit schwarzen manchmal sogar roten Punkten auf. Solche Fische sind meist deutlich unter 60 cm lang. Sie halten sich bevorzugt in Süßwasserbereichen auf und ernähren sich hauptsächlich von Garnelen und Krebstierchen. Aufsteiger sind gefärbte Fische, die den Laichprozess begonnen haben, die Milchner weisen einen deutlichen Laichhaken auf. Absteiger sind demzufolge Fische, die den Laichprozess abgeschlossen haben. [caption id="attachment_16353" align="aligncenter" width="1021"]Absteiger sind schlanke Fische, durch den Laichprozess verlieren sie ca. 30% Körpermasse Absteiger sind schlanke Fische, durch den Laichprozess verlieren sie ca. 30% Körpermasse[/caption] Nach diesem Prozess haben die Fische bis zu 30% ihres Körpergewichts verloren. Erkennbar sind Absteiger z.b. an dem deutlich schlankeren Körper, den getrübten Flossen und an den Marken und Verletzungen des Laichvorgangs. Als Blankfische bezeichnet man geschlechtsreife Forellen über 50 cm. Einen Überspringer möchte wohl jeder Meerforellenangler gerne mal an der Rute haben. Das sind bullige und massive Fische die eine oder mehrere Laichperioden ausgelassen haben und dementsprechend gut im Futter stehen. Wenn von Großfischen die Rede ist hört man auch oft den Begriff Heringsfresser. Ihr Lebensraum beschränkt sich vorzugsweise auf die tieferen Gewässerbereiche. Hauptsächlich ernähren sie sich von Fischen. Stichwort Ernährung! Darum geht es im nächsten Abschnitt. [caption id="attachment_16361" align="aligncenter" width="1024"]Überspringer Für solche Überspringer lohnen sich auch 100.000 Würfe![/caption]

Nahrung der Meerforelle

  • Heringe, Sandaale, Sprotten, Stichlinge u. Grundeln
  • Seeringelwürmer und Wattwürmer
  • Garnelen u. Mysiden ( 2-3cm lange Krebstierchen)
  • Tangläufer
  • Tintenfische
  • Aalmuttern
  • Frösche
  • Muscheln
  • Land.-u. Fluginsekten

Einfluss der Wassertemperaturen auf die Meerforelle

Einer der wichtigsten Einflüsse auf die Aktivität der Forellen ist die Wassertemperatur. Die Temperatur und der Stoffwechsel der Meerforellen stehen im engen Zusammenhang. Der Stoffwechsel ist die Fähigkeit, Nahrung aufzunehmen und anschließend zu verdauen. Bei 5-16 Grad funktioniert der Stoffwechsel der Meerforellen am besten und die Fische sind sehr aktiv. Das Optimum liegt bei 12-14 Grad, gleiches gilt auch für die Nahrung der Meerforelle. Unter 3 Grad und über 18 Grad werden die Fische sehr inaktiv und es wird dann bedeutend schwieriger sie an den Haken zu bekommen.

Taktiken um ganzjährig erfolgreich zu sein

Winterangelei auf Meerforelle

Im Winter stehen Grönlander und Überspringer im Fokus, da die anderen Erscheinungsformen mit dem Laichgeschäft beschäftigt sind. Der Monat Dezember ist oft sehr erfolgversprechend, da das Wasser dann noch recht warm sein kann. Hauptnahrung in diesem Zeitraum sind meist Tangläufer, manchmal aber auch Grundeln und Garnelen. Die Tagesmitte bringt häufig Fische da das Wasser dann häufig am wärmsten ist. Fällt die Wassertemperatur unter 3 Grad wir es generell schwer. Wichtig ist, sich Bereiche mit weichem schlammigen Grund, große Blasentangfelder oder steinige (dunkle) Küstenabschnitte zu suchen, da diese die Wärme am besten speichern. Grelle Köderfarben laufen oft besser als natürliche. [caption id="attachment_16363" align="alignnone" width="1024"]Im Winter sollte man die "warmen" Zonen im Wasser suchen Im Winter sollte man die "warmen" Zonen im Wasser suchen[/caption]

Frühjahrsangelei auf Meerforelle

März und April sind oft die besten Monate. Bei 4-7 Grad sind die Fische ganztägig aktiv, oft gibt es wahre Sternstunden. Von 7-12 Grad sind Meerforellen konditionell auf ihrem Höhepunkt was sich positiv auf die Bissfrequenz auswirkt. Natürliche Muster, eine schnelle Köderführung und Strecke machen sind oft die Schlüssel zum Erfolg.

Sommerangelei auf Meerforelle

Meerforellenangeln im Sommer bezieht sich meist auf die Dämmerungs- und Nachtphasen. Strömungsreiche Spots, die dicht am tiefen Wasser liegen bringen oft den Fisch. Ablandige Winde sorgen dafür, dass warmes Oberflächenwasser vom Ufer weggedrückt wird, dadurch kann kühleres Tiefenwasser nachfließen, was die Forellen wiederum in die Uferbereiche zieht. Die Sommerangelei wird durch gedeckte Köderfarben bestimmt, in der Nacht bringen schwarze Köder den Erfolg. Ich bevorzuge in dieser Zeit eine extrem schnelle Köderführung. [caption id="attachment_16360" align="aligncenter" width="1024"] Im Sommer sind kalte Strömungen anzusteuern[/caption]

Herbstangelei auf Meerforelle

Die Morgenstunden sind im Herbst oft sehr gut. Längere Strecken abzuangeln bringt den Angler zur Forelle. Die Fische können jetzt überall sein und haben viel Nahrung im Wasser. Dementsprechend sind Sie oft sehr wählerisch. Sinkt die Wassertemperatur unter 14 Grad werden die Meerforellen noch einmal richtig aktiv. Reserven anfressen ist da die Devise. Gedeckte Köderfarben sind auch im Herbst sehr gut.

Mit der Spinnrute auf Meerforelle

Das Spinnfischen hat für mich beim Meerforellenangeln gegenüber dem Fliegenfischen unglaublich viele Vorteile. Auch bei starkem Wind kann man ausgezeichnet fischen. Man kann den Köder einfacher schnell führen. Größere Köder sind einfacher zu handhaben. Man hat natürlich eine bessere Wurfweite und kann schneller Strecke machen. Dies sind nur einige Vorteile die ich nicht missen möchte.

Rute, Rolle, Schnur

Beim Uferangeln auf Meerforelle sind lange Ruten bis 3,15m wegen der Wurfweite und zum Abfedern der Fluchten vorteilhaft, allerdings habe ich auch schon mit deutlich kürzeren Ruten gute Wurfweiten und sichere Drills erzielen können. Das hängt viel damit zu tun, ob sich der Blank beim Werfen gut auflädt, er sollte nicht zu straff sein. Kurze Ruten sind außerdem besser geeignet um mit Wobblern zu twitchen. Beim Angeln mit dem Sbirolino wiederum sind sehr lange Ruten um 3,15m wichtig, da man damit das lange Vorfach, was man hinter dem Wurfgewicht hat, besser werfen kann. Bei der Rolle werden meist 2500er -5000er Modelle verwendet. Hierbei sollte man auf Salzwassertauglichkeit und auf eine hohe Übersetzung achten, dass vereinfacht eine schnelle Köderführung. Wichtig ist auch, dass man sein Gerät pflegt! Ein Jäger schießt schließlich auch nicht mit einer verrosteten Waffe. Ich benutze geflochtene Schnüre mit einem Durchmesser zwischen 0,10-0,15 mm. Mit einer natürlich gefärbten Schnur in grün oder grau macht man nie etwas falsch. Davor schalte ich dann ein Fluorocarbonvorfach was mindestens einen Meter lang und eine Stärke von mindestens 0,30 mm haben sollte. Damit bewältigt man auch große Fische sehr gut. [products skus="9856, 8974, 15148, 10372" orderby="popularity" order="asc"]

Köder

Blinker und Küstenwobbler sind wohl die häufigsten Köder die verwendet werden. Auch ich bin von Ihnen mehr als überzeugt. Blinker sollten nicht nur stumpf eingekurbelt werden, Spinnstops bringen häufig den Biss! Küstenwobbler haben den Vorteil, das man sie regelrecht "jerken" kann. Auch das mögen aktive Meerforellen. Wobbler können besonders an schwierigen Tagen Gold wert sein. Schnell eingekurbelt überzeugen sie auch erfahrene Fische.

Meine Top 5 - Meerforellenköder

Die Sbirolinomontage

In Deutschland sieht man eher wenige Angler, die dieser Technik vertrauen. Klar wirft sich eine Sbirolinomontage anders als ein Blinker, jedoch ist auch diese Methode mehr als effektiv. Der Sbirolino ist hierbei das eigentliche Wurfgewicht. Ich bevorzuge Sbiros, bei denen man entweder Wasser einfüllen kann um die Lauftiefe zu ändern oder jene, die mit Gewichten versehen sind, die man je nach Bedarf hinzufügen oder entfernen kann. Die Köderpalette ist hier besonders groß. Leichte Blinker, Wobbler, Gummifische, Fliegen, Streamer oder Spinner können dabei verwendet werden. Zwischen Spirolino und Köder schaltet man ein Flouorocarbonvorfach was zwischen 1,5-2m länge haben sollte. Probiert es aus und lasst euch überzeugen. [caption id="attachment_16358" align="aligncenter" width="1024"]Bei steinigem Untergrund und rauhem Wetter ist ein Watstock hilfreich Bei steinigem Untergrund und rauhem Wetter ist ein Watstock hilfreich[/caption]

Sonstige Ausrüstung

Ein wichtiges Hilfsmittel ist die Wathose. Durch Sie kommt man nicht nur weiter raus sondern ist auch in der kalten Jahreszeit geschützt. Ich verwende nur noch Modelle mit einer Filzsohle, das verspricht guten Halt auf glatten Steinen an felsigen Küstenabschnitten. Gerade in steinigen Gebieten ist ein Watstock von Vorteil. Kein Fisch Welt ist es wert, dass man sich für ihn die Knochen bricht. Ein Rucksack mit etwas Equipment, Essen und Trinken muss genügen, um den Tag zu überstehen. Eine prall gefüllte Angeltasche macht beim Meerforellenanfeln wenig Sinn, vielmehr ist eine kleine Auswahl an Ködern. etwas Fluorocarbon, ein Kescher und ein paar Snaps ausreichend. Oft habe ich auch ein Thermometer bei mir, das hilft mir gerade am Anfang der Saison dabei warmes Wasser und somit die Meerforellen zu finden. Ich hoffe, dass dieser Beitrag interessant für euch war und der eine oder andere vielleicht auch einen nützlichen Tipp für seinen nächsten Meerforellentrip mitnehmen konnte. Konzentriert euch aufs Wesentliche und bleibt eisern bei der Sache dann werdet ihr auch früher oder später erfolgreich sein. Lasst euch nicht von den bunten Köderwänden in den Angelgeschäften irritieren denn die Faustformel besagt:

  • 70% Spotwahl,
  • 20% Köderwahl und
  • 10%Köderführung

In diesem Sinne wünsche ich euch viel Erfolg und Tight Lines Toni

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