Heavy Cover – Angeln in stark verkrauteten Gewässern

Ein Beitrag von Ihno Tamminga Fast alle stehenden und langsam fließenden Gewässer beheimaten eine Vielzahl an Gewässerpflanzen. Jeder kennt Seerosen und Wasserlinsen und so gut wie alle von euch hatten schon Laichkraut, Tausendblatt oder Wasserstern am Köder hängen. Steht deren ökologische Relevanz auch außer Frage, so stören sie uns bei der Jagd auf Raubfische doch häufig und machen einige Spots oder ganze Gewässer sogar auf den ersten Blick unbefischbar. Bis vor etwa zwei Jahren habe auch ich diesen Bereichen maximal zwei, drei Pflichtwürfen mit klassischen Oberflächenködern gewidmet oder sie ganz ausgelassen. Heute bevorzuge ich solche oft wenig beangelten Spots oftmals und habe in diesem Jahr einige meiner besten Fische dort fangen können. Der 96er Hecht aus dem Titelbild stammt z.B. mitten aus einem Seerosenfeld und kündigte den Biss am Softjerk mit einer für diese spannende Angelei typischen Bugwelle vorher an. Adrenalinschübe sind also garantiert! Auch wer die Geschichte des WPC-Sieges von Johannes und Dustin etwas verfolgt hat, wird auch da die Relevanz von Softjerks und verkrautetem Flachwasser wiederfinden. Wie ich bei dieser Angelei vorgehe und was ich dafür mit ans Wasser nehme, erfahrt ihr im Folgenden.

Theorie: Wahl der Spots, Saison und Zielfische

Unsere heimischen Wasserpflanzen bevölkern, neben den direkten Randbereichen, je nach Wassertrübung auch Tiefenbereiche von bis zu 10 Metern. Diese lassen sich alle mit einigen der aufgeführten Methoden befischen, allerdings konzentriere ich mich hier auf die Bereiche der sog. „Schwimmblatt-“ und „Laichkrautzone“, also den Bereichen bis max. 6 Meter Tiefe, an denen die Pflanzen bis an die Oberfläche reichen und gut zu sehen sind. Befischbar sind dabei für mich prinzipiell alle Bereiche, bei denen zwischen den Pflanzen immer mal einige Freiflächen zu sehen sind, in denen der Köder im Wasser ist. Friedfische und diverse Insektenarten bevorzugen diese Bereiche, da sie dort Futter und Schutz finden. Gleiches gilt auch für Hechte, Barsche und sogar Zander. In kleineren, sehr klaren oder in flachen Gewässern sind die Räuber hier oftmals sogar ganzjährig anzutreffen. In großen Gewässern mit vielen Tiefenstrukturen sind es vor allem die Monate Mai bis Oktober, in denen ihr diese Spots auf keinen Fall auslassen solltet! Bei sehr klarem Himmel und wenig Wind suchen die Fische zudem vermehrt Schutz im Kraut, sodass hier in doppeltem Sinne Hotspots entstehen können und die Fische z.T. gestapelt zu stehen scheinen. Auch warme Tage im frühen Winter oder kurz nach Ende der Schonzeit sind für mich oft Kraut-Angel-Tage, da sich diese flacheren Randbereiche bei Sonneneinstrahlung oft eine 0,5-1°C höhere Wassertemperatur aufweisen. In Seen, in denen ich die Tiefenstruktur nicht genau kenne, gilt auch bei mir hier die Regel, dass ich aus bekannten Gründen zuerst das Ufer befische, auf das der Wind steht.

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Hier ist genug Platz: Solche Spots solltet ihr auf keinen Fall auslassen!

Hardware: Rute, Rolle, Schnur und Vorfach

Das Wichtigste bei dieser Angelei ist dass man die Fische nicht mutwillig einem unnötigen Verletzungsrisiko aussetzt und sie natürlich auch sicher landen kann. Hierzu benötigt man entsprechend kräftiges Material, da man auch große Fische im Drill durch Krautlücken dirigieren und diese stetig oben halten muss. Zwar schneidet sich die Schnur im Drill regelrecht durch viele Pflanzen, jedoch sollte man darauf achten, dass der gehakte Fisch keine Pflanzen umschwimmen kann. Die kann neben dem Verlust durch Ausschlitzen oder gar Abriss ansonsten dazu führen, dass man zu viel Zug auf das ganze System bringt und somit die Fische verletzt. Ich nutze deshalb meistens eine Hechtrute mit recht viel Wurfgewicht. Ist diese modern leicht progressiv oder spitzenaktiv, lassen sich auch leichte Köder recht weit und sehr präzise werfen, zudem müsst ihr ja keine Gewaltwürfe über große Distanzen durchführen. Meine meistgenutzte Rute hierfür ist 2,10m lang (ich bin ein Freund kurzer Ruten, 2,40 wäre für die meisten wahrscheinlich optimaler), hat 50-100g Wurfgewicht, und eine progressive, schnelle Aktion. Als Rolle nutze ich eine ebenfalls leichtgewichtige Okuma Ceymar C-35, die für mich ein absolutes Preis-Leistungs-Wunder darstellt und mit einer ca. 14 kg-starken, 8-fach geflochtenen Schnur bespult ist. Meine Bremse kann somit vorerst beinahe geschlossen bleiben, um die Fische sicher durchs Kraut zu führen. Die Vorfachwahl muss natürlich entsprechend stabil ausfallen, zumal immer mit guten Hechten zu rechnen ist und diese den Köder auch gerne voll inhalieren, wenn sie an die Oberfläche schießen. Über den Vorfachbau gibt es auf dem HechtundBarsch-YouTube-Channel eine perfekte Anleitung. Zu beachten ist hier zusätzlich, dass ihr so wenig „Hindernisse“ wie möglich in die Verbindung einbauen solltet. Hechtsicheres Fluorocarbon oder idealerweise Stahl kann z.B. mit dem FG-Knoten direkt an die Hauptschnur gebunden werden, sodass ihr nur am Ende des Ganzen einen Snap knüpfen müsst. Wollt ihr völlig flexibel bleiben und mit einem Wirbel am Ende der Hauptschnur fischen, solltet ihr das Vorfach etwas länger wählen, um dort ggf. hängenbleibendes Kraut weit vom Köder wegzuhalten. Knickfreies Vorfachmaterial mit geringem Memory-Effekt verhindert zudem, dass ihr nach etwaigen Hängern neu knoten müsst.  

Köderwahl und -Führung: Von spärlichem Bewuchs bis zum „heavy cover“ Im Folgenden findet ihr meine meistgenutzten Köder und deren Vor- und Nachteile. Der Übersicht halber ist die Liste in Köder für leichten Bewuchs und solche für den richtigen Dschungel aufgeteilt. Generell gilt bei dieser Angelei, dass ihr keine Monsterbaits benötigt, um wirklich gute Fische zu fangen. Natürlich nehmen gerade große Räuber sich auch gern größere Happen, jedoch lassen sich zu große Köder schlecht ohne Hänger durchs Kraut bewegen und ich konnte bisher meine besten Fänge mit Ködergrößen bis ca. 12 cm machen. Meine Theorie dazu ist, dass kleinere Beutefische ständige Bewohner dieser Spots und damit auch auf dem Speiseplan aller sich dort aufhaltender Räuber stehen. Zudem ist das Wasser in den zuvor genannten Jahreszeiten recht warm, sodass die Fische nicht allzu selektiv rauben müssen. Wenig Bewuchs Beim Beangeln von Spots mit nur vereinzeltem Pflanzenaufkommen oder auch außerhalb der Wuchsphasen haben sich bei mir vor allem Spinnerbaits, kleine Gummis an Rubber-Jigs und Oberflächenköder bewährt. Bei Letzteren nutze ich neben den klassischen Sommer-Poppern und Stickbaits, über die Kevin ja bereits umfänglich geschrieben hat, auch häufig den Whopper Plopper von River2Sea. Nachdem eine krautfreie Bahn zwischen den Blättern ausgemacht ist, werfe ich einen freien Bereich an und führe den Köder hindurch.

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Eine Auswahl an Ködern zum Angeln im leichten Kraut

Spinnerbaits sind vor allem in Sommer und Herbst zwischen den festeren Seerosen-Stengeln und auch bei zusätzlichen grasförmigen Pflanzen eine echte Waffe, da sie die Hindernisse vor dem Haken durch den Drahtbügel teilen und enorme Druckwellen aussenden. Dies macht sich auch zu optimalen Suchködern. Zudem lassen sich die optischen Reize durch entsprechende Trailer leicht verändern. Gibt es nur wenige dieser „Köderbahnen“ oder sind Plätze besonders interessant, kann man diese Köder auch nach ein paar Kurbelumdrehungen bis auf den Grund absinken lassen, um sie dann zu faulenzen. Als Trailer für Spinnerbaits und Rubberjigs (diese sollten einen Krautschutz oder einen Baitholder haben, um den Haken krautfrei zu halten) nutze ich vor allem schlanke Swimbaits, wie den Keitech Swing Impact und den Lunker City Swimming Ribster. Unter den Oberflächenködern ist der Whopper Plopper sicher der unbekannteste, deshalb auch dazu ein Hinweis: Während man den Köder beim Barschangeln häufig einfach durchkurbeln muss und ggf. kurze Stopps einlegt, hat es sich auf Hecht bei mir bewährt, dem Köder vor Spinstopps einen kurzen aber starken Zug mit der Rute zu geben, so dass er das Wasser einmal stark aufspritzen lässt. Danach lasse ich den Köder bis zu 5 Sekunden liegen, meist kommen hier die Attacken.

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Schöner Stachelritter, der nach einer Fehlattacke auf den Swing Impact im Seerosenfeld zum Glück nochmal nachfasste

Heavy Cover Ist der Spot stärker bewachsen, sodass man zwangsläufig über Blätter hinwegzupfen oder durch dünnfädige Algen hindurch kommen muss (häufig sind diese vor dem ersten Wurf nicht unter den größeren Pflanzen zu sehen), kommen bei mir, neben Froschimitaten, vor allem Gummiköder am Offsethaken – sogenannte Softjerks– zum Einsatz. Diese fische ich mit erhöhter Rutenspitze, Tempovariationen und Stopps durchs Kraut, zupfe sie über Schwimmblätter hinweg und lasse sie selten mehr als 20cm absinken. Stellt ihr die Rute fast senkrecht, könnt ihr die Softjerks sogar als Subsurface- oder Oberflächenköder führen und so schöne Wellen durchs Kraut ziehen. Generell könnt ihr hier jeden Gummiköder nutzen, der eine Einkerbung an der Unterseite aufweist (Offsettasche) und somit für Offsethaken geeignet ist. Fast noch wichtiger ist ein im 90°-Winkel angebrachter Schwanzteller, damit die Köder auch an der Oberfläche noch laufen können. Schwanzteller mit größerem Winkel werden hier unbewegt hinterher gezogen, da der Wasserdruck nicht ausreicht. Nachdem ich das herausbekommen hatte, begann ich auch andere Gummifische zu „tunen“, um sie offsetfähig zu machen, dazu mehr am Ende des Artikels.

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Softjerk-Armee: Links Keitech Easy Shiner und Swing Impacts, daneben die etwas festeren Swimfish von Lunker City und getunte Drunk Baits

Die Wahl meiner Gummiköder hängt dabei auch von der Dichte des Krautes ab. Während weichere Gummimischungen, wie bei den Keitech Easy Shinern oder (Fat) Swing Impacts zwar eine gute Bissausbeute bringen und durch das halbseitige Salzen ultra stabil laufen, löst der Haken bei diesen Ködern teilweise auch bei Krautkontakt bereits aus. Spätestens dann greife ich zu etwas festeren Gummimischungen. Für 3“ Köder benötigt ihr die Hakengröße 1-1/0, für Köder bis 4“ die Größe 3/0. Beim Aufziehen der Gummis solltet ihr außerdem darauf achten, dass die Hakenspitze leicht im Gummi versenkt ist, indem ihr die Gummis an der Hakenspitze leicht nach vorn zieht und so um wenige mm einstecht. Beim Biss löst sich diese und der Haken schiebt sich im Köder nach oben.

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Am frühen Abend oder Morgen kann man sogar Zander direkt im Kraut fangen! Nach einer Fehlattacke auf einen Frosch wechselte ich schnell und der Fisch hing!

Extra: Ködertuning und Drunk Baits am Softjerk

Wie bereits erwähnt, nutze ich auch Drunk Baits zum Krautangeln. Darauf kam ich, da sie aufgrund der breiteren Statur und der Brustflossen von unten besonders fischähnlich wirken und der sehr große, steile Schwanzteller sich perfekt fürs Oberflächenangeln eignet. Ein zusätzlicher Reiz wird dabei durch die breite, fast popperähnliche Kopfform erreicht, die zu einer Bugwelle aus Blasen führt und vor allem Hechten zu gefallen scheint. Um Offsethaken in humaner Größe (3/0 passt perfekt) fischen zu können, schneide ich unten eine Bauchhöhle bis zur Schwanzwurzel und oben eine ca. 1cm-lange Kerbe für die Hakenspitze ein. Für die Bauchhöhle könnt ihr euch an der sichtbaren Naht orientieren, die seitlich innerhalb der Brustflossen und vorne im vorderen Drittel verläuft (Bild). Der Kopf bekommt ebenfalls eine kleine Kerbe, ca. 0,5cm breit und tief. Der Haken sitzt dann völlig krautlos und löst beim Biss schön aus. Testet das Auslösen des Hakens auf jeden Fall vorab und dehnt den Hakenkanal im Zweifel durch wiederholtes Auslösen ein wenig. Der Lauf wirkt mit Offsethaken noch taumeliger und der Köder flankt extrem lebhaft!

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OP geglückt – so sollte es in etwa aussehen, wenn ihr mit Drunk Baits ins Kraut geht.

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Oben: So sollte der Haken innerhalb des Köders sitzen, die Spitze ist dabei in einer kleinen Kerbe versenkt, die ihr oben einscheidet. Unten: Beim Biss liegt die Hakenspitze dann schön frei.

Jetzt bleibt mir nur noch, euch viel Spaß und gute Fänge beim Krautangeln zu wünschen! Über Fragen und eure Erfahrungen/ Tipps in Kommentaren freue ich mich!

Viele Grüße und petri geil, euer Ihno.

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